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Pflege- und Betreuungskonzept

Segregative Versorgungsform
Das Deutsche Rote Kreuz hat sich für das Konzept der segregativen („Segregation“ lateinisch segregare für ‚entfernen‘, ‚trennen) Versorgungsform in der Betreuung Demenzerkrankter entschieden. Die Erfahrungen mit der integrativen Betreuung von Menschen mit Demenz haben in den letzten Jahren gezeigt, dass eine adäquate Pflege und Betreuung durch die nicht vorhandene Homogenität der Krankheitsbilder der Betroffenen in den einzelnen Wohngruppen nur eingeschränkt realisiert werden konnte.

Drei-Stufen-Modell
Grundsätzlich geht das Modell des dreistufigen Pflege- und Betreuungskonzeptes davon aus, dass die Entwicklung der demenziellen Erkrankung sich in drei großen Schritten vollzieht. Die zugrunde liegende Pflegephilosophie, in der jeder Schweregrad der Demenz einer spezifischen Betreuung sowie einer angepassten Umgebung bedarf, bezieht hierbei neben der Betreuung und palliativen Pflege auch die Leistungen der Küche, die hauswirtschaftliche Versorgung, die Angehörigenarbeit und die ärztliche Versorgung mit ein.

Pflegeverständnis
Das Gesundheits- und Krankheitsverständnis für Menschen mit Demenz setzt voraus, dass das eingeschränkte Sozialverhalten der Betroffenen nicht um jeden Preis „korrigiert“ werden soll, sondern dass durch die reflektierende Grundhaltung der Mitarbeiter Einschränkungen wahrgenommen und durch entsprechende fachliche Interventionen schützend begleitet werden können. Hierbei stehen die Förderung, Spezialisierung und Professionalisierung der  demenzgerechten Pflege sowie die Vermeidung von Überforderung der Menschen mit Demenz im Vordergrund. Durch die segregative Betreuungsform kann das gesamte Wohnmilieu therapeutisch ausgerichtet werden. Arbeits- und Organisationsabläufe innerhalb der Wohngruppe können so auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten werden. Zur Sicherung einer qualitätsorientierten Pflege der Menschen mit Demenz ist daher die Bildung eines fachlich fundierten Pflegeverständnisses die erste Voraussetzung. Das Pflegeverständnis ist im Wesentlichen abhängig von einer wertschätzenden Grundhaltung, die sich in der Begleitung und Pflege der Betroffenen widerspiegeln muss. Dies, da eine qualifizierte und humane Pflege ohne ehrliches Interesse an der Person, ohne Empathie und Zuwendung, ohne Wertschätzung und Respekt nicht möglich ist. Offenheit, Achtsamkeit und Toleranz gegenüber den Menschen mit Demenz, ihren Bedürfnissen, Gefühlen und Eigenheiten sowie die Achtung ihrer gewordenen Persönlichkeit, ihrer Würde und ihres Selbstbestimmungsrechtes, sind hierzu unerlässlich. Das Pflegeverständnis stellt den Menschen mit Demenz in seiner Einzigartigkeit, mit seinen Fähigkeiten, Bedürfnissen sowie Gefühlen in den Mittelpunkt, wobei die fördernde, aktivierende und rehabilitierende Pflege zentral stehen-

Anforderungen an die Pflegekräfte
Der besondere Pflege und Betreuungsaufwand von Menschen mit Demenz stellt eine der schwierigsten Aufgaben im Bereich der Pflege alter Menschen dar, da die Pflegekräfte  durch das häufig herausfordernde Verhalten wie beispielsweise motorische Unruhezustände, Umherwandern, Weg- und Hinlauftendenzen, andauerndes lautes Schreien, Halluzinationen und vieles mehr,  in besonderer Weise beansprucht und gefordert werden.

Pflegeplanung
Durch das dem Pflege- und Betreuungskonzept zugrunde liegende Menschenbild sowie das Pflegeleitbild können die wichtigsten Pflege- und Betreuungsziele, die auf die Erhaltung von Ressourcen und die Bestärkung der eigenen Selbständigkeit gerichtet sind, erkannt und in die individuelle Pflegeplanung aufgenommen werden. So kann im Sinne der aktivierenden Pflege auf die Ressourcen der Bewohner eingegangen und zurückgegriffen werden kann. Für das Pflegeleitbild sind die Grundlagen der personenzentrierten Arbeit leitend, die nach Kitwood stets das menschliche Wohlbefinden der Erkrankten berücksichtigen und stärken. Dies sind im Einzelnen folgende Aspekte:

  • das Gefühl etwas wert zu sein
  • das Gefühl etwas tun zu können
  • das Gefühl mit anderen noch in Kontakt treten zu können, sie zu erreichen und eine Antwort zu  erhalten
  • das Gefühl der Hoffnung und des Urvertrauens    

Weitere Leitprinzipien zur idealen Gestaltung des Kontaktes zwischen den Menschen mit Demenz und den Mitarbeitern sind das Validationskonzept und der Biographiegestützte Ansatz sowie die Berücksichtigung der individuellen Lebensqualität der Bewohner. Zur Vermeidung von Stress und Reizüberflutung sind die Mitarbeiter der Wohngruppen angehalten, Störfaktoren, wie Lärm, Unruhe und unangemessene Hektik, strikt zu vermeiden. Die Mitarbeiter der jeweiligen Wohngruppen beziehen die Bewohner zur Unterstützung ihrer Lebensqualität in eine individuell angemessene Tages- und Wochenstruktur ein, die es ihnen erlaubt, im Verlaufe des Tages Beschäftigungen nachgehen zu können, die sorgfältig auf ihre noch vorhandenen Möglichkeiten abgestimmt sind. 

Zusammenarbeit mit den Angehörigen
Das Pflegeleitbild sieht vor, dass die Angehörigen der Menschen mit Demenz nicht von ihrer Verantwortung entbunden, sondern aktiv in den Pflegeprozess einbezogen werden. Hierzu werden die Angehörigen bereits mit dem Einzug in die Pflegeeinrichtung über den Grad der Pflegebedürftigkeit, die Krankheitsentwicklung und die damit verbundenen Risiken und Konsequenzen (Weg- und Hinlauftendenzen, Selbst- und Fremdgefährdung) sowie über die Regelung von Kleiderkäufen, Verlusten von Brillen, Zahnprothesen, Schlüsseln etc. aufgeklärt. Die Angehörigen werden darüber hinaus in ihren Ängsten, Sorgen und Nöten von den Mitarbeitern der Einrichtung wahrgenommen und durch Gespräche mit den Fachkräften begleitet und betreut. Hierzu ist eine eigens eingerichtete Angehörigensprechstunde eingerichtet, in denen nach vorheriger Vereinbarung Gespräche geführt werden können, die das gegenseitige Verständnis und Vertrauen fördern sollen. Allen Angehörigen wird die Teilnahme an den hausinternen Schulungen und Fortbildung zum Themenbereich der demenziellen Erkrankungen angeboten.